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Urbanes Gemüse: Die vertikale Pflanzenrevolution

Vertikale Pflanzenzucht: Kluge Leute machen sich ja immer Gedanken, wie es mit der Menschheit weitergeht. Und vor allen Dingen, wenn die Menschen Hunger haben.

Vertikale Pflanzen

Im Jahre 2050 wird nach demografischen Schätzungen der größte Teil der Weltbevölkerung in Megastädten leben. Also etwa sieben Milliarden Menschen sind in naher Zukunft auf eine städtische Infrastruktur und Logistik angewiesen, damit sie in diesen riesigen urbanen Zentren auch ausreichendend mit Lebensmitteln versorgt werden können.

Gleichzeitig nehmen in vielen Ländern die geeigneten Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion immer weiter ab und der Klimawandel schafft zusätzliche Probleme. Mittels der herkömmlichen Landwirtschaft wird es auf Dauer nicht möglich sein, alle Menschen - auch in den reichen Ländern - mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Die Idee, dass beispielsweise die Dächer in den Großstädten wieder begrünt werden und dort pflanzliche Nahrungsmittel angebaut werden, ist nicht neu und war eher ein Thema für Individualisten und urbane Selbstversorger. Zu gering waren bislang die Möglichkeiten, auf diese Weise ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren. Doch es hat sich einiges getan.

Der US-Amerikaner Dickson Despommier beschäftigt sich als Professor für Umweltgesundheit und Mikrobiolgie schon seit 1999 mit der Möglichkeit, wie man die Landwirtschaft im großen Stil und ökologisch verträglich in die Großstädte integrieren kann und welche Technologien dafür notwendig sind. Aus einer einfachen Idee hat sich mittlerweile eine völlig neue und revolutionäre Form der urbanen Landwirtschaft entwickelt, die in einigen Ländern schon zu einem festen Bestandteil der lokalen Lebensmittelversorgung geworden ist.

Besonders in Asien ist das Interesse am "Vertical Farming" sehr groß und die technischen Möglichkeiten sind dafür schon sehr ausgereift. Durch den Anbau der Nutzpflanzen in die Höhe wie in einem senkrechten Treibhaus, wird sehr effektiv die begrenzte Fläche in Großstädten genutzt. Die Pflanzen werden hydroponisch angebaut und schwimmen in einer optimal abgestimmten Nährstofflösung. Durch den Wegfall von Ackererde ermöglicht dies eine leichte Bauweise der vertikalen Farmen in ausreichende Höhen.

Teilweise rotieren alle Pflanzen wie auf einem Riesenrad, um gleichmäßig mit dem natürlichen Tageslicht versorgt zu werden oder sie werden - je nach Standort - mit einer speziellen LED-Beleuchtung bestrahlt. Durch spezielle "Lichtrezepte" für jede Pflanzenart kann der Ertrag ganzjährig optimiert werden.

Zugegeben: auch wenn das alles noch sehr nach sterilem High-Tech und Raumschiffästhetik klingt, aber die ökologischen Vorteile und die resultierenden Ertragsmengen sind hierbei teilweise enorm. Die Produktion findet direkt vor Ort statt; große Transportstrecken fallen weg und gerade bei leicht verderblichen Pflanzen liegt der Verlustanteil ansonsten bei bis zu 30 %. Es wird viel weniger Wasser zum Anbau verwendet, da die hydroponischen Kreisläufe sehr sparsam wirken. Die Anbaufläche wird durch die vertikale Staffelung und Rotation sehr effektiv genutzt.

Es kann weitestgehend unabhängig von der jeweiligen Klimazone und den lokalen Jahreszeiten angebaut werden und extreme Wetterlagen spielen keine Rolle mehr. Die Düngung und Pflege kann frei von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln erfolgen, da es bei dieser Anbauart kaum Schädlinge gibt und mit einfachsten biologischen Mitteln durchgeführt werden kann.

Leider scheint dieses Thema in Europa noch keine große Rolle zu spielen, aber wir sollten uns mit dieser Zukunftstechonlogie schon sehr bald auseinandersetzen.

Foto: © michaelaw @ freeimages.com



                   

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